Mittwoch, 10 Juli 2019 10:16

Erinnerungen an das Leben auf dem Lande

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Erinnerungen an 
das Leben auf dem Lande
Ehemaliger Landwirt erinnert an das Eiderstedt vor 70 Jahren
Osterhever

Dass Christian Mahrt aus Simonsberg über 80 Jahre alt ist, sieht man ihm nicht an: Agil und aufmerksam hört er zu, wirkt zurückhaltend – dabei hat der ehemalige Landwirt viel erlebt und zu erzählen: nichts weniger als acht Jahrzehnte Leben auf dem Lande in Nordfriesland. Das kann man nun in seiner Biografie „Bratkartofflen in Muckefuck“ nachlesen, die im Husumer ihleo verlag erschienen ist.

Christian Mahrt wurde in Drelsdorf in eine Landwirtsfamilie geboren. Noch in den 1930er-Jahren erhielten seine Eltern eine Siedlungsstelle im Norderheverkoog, Gemeinde Osterhever. Mit anderthalb Jahren zog Christian Mahrt nach Eiderstedt. Doch waren die Bedingungen dort noch härter als auf der heimatlichen Geest. Überhaupt war das Leben bestimmt von harter körperlicher Arbeit, im Rhythmus von Sonnenaufgang bis -untergang. Gesprochen wurde natürlich Platt, Hochdeutsch wurde erst in der Schule gelernt. Wege wurden zu Fuß oder per Rad erledigt, wenn es etwas zu transportieren galt, auch mit dem Pferdegespann. „Besonders für die Frauen war es eine doppelte Schinderei,“ erklärt der Autor: „Sie mussten den Haushalt führen und in der Landwirtschaft helfen, melken, buttern, Käse und Brot herstellen, den Gemüsegarten bewirtschaften und natürlich kochen und waschen. Das alles ohne elektrische Geräte oder fließendes Wasser.“

Ungleich zu heute war Landwirtschaft aber auch eine Lebensform, eine Gesellschaft mit eigenen Regeln: Was im Umgang miteinander selbstverständlich war, wer das Sagen hatte, was nachbarschaftlich unausgesprochen galt, wie und wo man sich traf, bei Jubiläen, beim Schlachtfest, die Aufgaben des Einzelnen wie die der „Jungen Männer“ und „Jungen Mädchen“ (Knechte und Mägde). Doch gerade die klaren Regeln und die harte Arbeit öffneten auch Freiräume, die es heute nicht mehr so gibt. Man regelte die Dinge untereinander, half sich, Abweichunen wurden toleriert, solange man den anderen nicht störte. Die Häuser waren offen, Besucher immer willkommen. Christian Mahrt hat diese Epoche als Kind erlebt, hat trotz Strenge der Eltern und Lehrer, trotz zahlreicher Pflichten eben auch diese Freiheiten genossen: Kinder spielten draußen – ohne Aufsicht von Erwachsenen. Sie baute n Unsinn, testeten die Grenzen aus. Heute ist von dieser Alltagskultur nur wenig geblieben. „Es war das Ende einer Ära“, fasst Christan Mahrt zusammen, denn „heute hat der Strukturwandel in der Landwirtschaft alles verändert. Meinen Söhnen konnte ich nicht raten, den Hof weiterzuführen.“ So hat er alles verkauft. Auf mehr als 300 Seiten hat Christian Mahrt seine Erinnerungen zusammengefasst, zahlreiche Fotografien ergänzen seine Schilderungen. Das Werk ist im Buchhandel oder beim ihleo verlag in Husum erhältlich.
hn